Es ist umständlich, während des Eincheckens
wie ein Beamter auf dieser Liste alles abzuhaken, während
der Vercharterer von einem Bein aufs andere hüpft,
weil noch andere Segler in der Sonne brüten. Außerdem
gehen ordentliche Einweiser meist mit System und einer eigenen
Checkliste an die Sache und erklären das Schiff von
vorn bis achtern, vom Top bis zum Kielschwein.
Vorsicht ist aber angebracht, wenn man alleine gelassen
wird mit einer Inventarliste und den Worten "...guckt
mal alles durch". So ein Vercharterer hat kein Interesse
daran, seinen Kahn auch wieder heil zurückzubekommen.
(Oder ist der nur auf die Einbehaltung der Kaution scharf??)
Ganz wichtig: Grundsätzlich alle Mängel sofort
in die Übergabeliste eintragen. (Gerade im Mittelmeer
sind viele Yachten Eignerschiffe. Die Besitzer bekommen
neben allen Rechnungen für die Reparaturen auch die
Ein- und Ausschecklisten zu sehen. Daran können sie
auch erkennen, ob die Kiste vom Vercharterer auch ordentlich
gewartet wurde...) Was übersehen wurde, kann (und wird!)
bei der Rückgabe als Schaden von der Kaution einbehalten
werden.
Ein kurzes Protokoll von der Übernahme,
vom Zustand des Schiffes sowie wichtige Daten gehören
ins Logbuch.
Also eher was für den Hinterkopf
Diese Checkliste ist also eher was "für
den Hinterkopf" und dient auch dazu, die Yacht
kennenzulernen. Sie ist das Ergebnis vieler Chartertörns.
Vielleicht erspart sie so manchem Sailor eigene schlechte
Erfahrungen.
An Deck
Der Rumpf
Sichtprüfung: Schrammen an Bordwand, Dellen
an Fußreling (wenn nicht ordentlich repariert,
gibt's bei Lage Wassereinbruch). Schiff abtauchen.
Spätestens in der ersten Bucht. Gute Vercharterer
lassen bei der Rückgabe Taucher kommen. Und wenn
dann Spuren einer Grundberührung gefunden werden,
darf man für die Schäden der Vorgänger
zahlen.
Haupt-Ankergeschirr: Ab zehn Meter Schiffslänge
nix unter 50 bis 70 Meter Kette akzeptieren, sonst
bemängeln und eintragen. Sind die Wirbel okay?
Befestigung der Kette im Kasten muß mit Bändsel
gesichert sein, damit man die Kette im Notfall per
Messer abschlagen kann (Schäkel rosten bombenfest),
Bändsel okay?, E-Winsch testen, (passender) Hebel
für Handbetätigung vorhanden?
Das Rigg
Rund um den Mastfuß auf Risse achten, Schotbefestigung,
Lümmelbeschlag und Befestigungen des Baumniederholers
genau nach eventuellen Schäden durch Patenthalsen
checken. Auf die Winschen steigen und in der Nut,
in der die Rutscher laufen, nach oben sehen: Hier
dürfen keine Verwindungen zu sehen sein. Wenn
schlampig geriggt wurde, droht ein Mastbruch. Wenn
kein Spannungsmesser vorhanden, von Hand die Spannung
der Stagen und Wanten prüfen (sollten gleichmäßig
auf bb und stb sein). Wenn die Leewanten später
auf See bei ordentlich Wind etwas schlabbern, ist
das übrigens normal. Die Wantenschoner anheben
und ganz genau die Terminals checken: Sind die (Original-)Splinte
und -Bolzen richtig fest oder wurde da mit Draht geflickt?
An Wanten und Stagen dürfen keine sichtbaren
Knicke oder Beschädigungen sein.
Die Segel
Die Segel komplett setzen. Die Achterlieks, besonders
bei Fockreffanlagen, sind Schwachpunkte. Ist das Tuch
schon morsch? Nach Rissen im Bereich der Reffkauschen
(am Achterliek und am Vorliek, gelle) suchen. Sehr
beliebt sind auch tolle Löcher im Bereich der
Reffbändsel, weil es immer noch Experten gibt,
die beim Reffen auch diese Bändsel schön
fest durchsetzen (Was natürlich Blödsinn
ist, weil's nix bringt. Um das überflüssige
Tuch zu bändigen, reichen - wenn überhaupt
- wenige lose Knoten) und beim Ausschütten oder
Setzen am nächsten Morgen das eine oder andere
oder alle vergessen. Hauruck.....
Sturmsegel oder Ersatzsegel an Bord? Wenn kein Sturmsegel
(Fock oder Try) an Bord ist, auf der Checkliste vermerken.
Ja, wo laufen sie denn?
Das laufende Gut: Alle Leinen, Fallen, Strecker
und Schoten auf Schwachstellen prüfen. Weil viele
Leinen in engen Durchführungen laufen, läßt
sich da oft nichts reparieren.
(K)ein Lichtlein brennt...
Alle Lampen kontrollieren: Seitenlaternen, Hecklicht,
Top/Ankerlicht, Decksbeleuchtung, Kompaßlicht,
Steckdose für Handscheinwerfer. Mal gegenklopfen:
Wackelkontakt?
Die Pflicht in der Plicht
Ruder, Pumpe, Heckanker, Beiboot, Rettungsgerät
Ruder auf Spiel und Freigängigkeit prüfen.
Ganz wichtig: Notpinne testen - manchmal paßt
sie gar nicht oder ist viel zu lang. Rudermechanik-
oder -hydraulik sichten. Hydraulik-Ölstand prüfen.
Wo wird nachgefüllt? Ist Öl auch Bord? Nach
Rissen am Koker suchen, sind alle Bolzen fest und
original? Gleich alles wegräumen, was bei Seegang
die Mechanik blockieren könnte. Bei mechanischer
Radsteuerung Mittelstellung mit Tape markieren.
Handlenzpumpe testen. Ist der Hebel griffbereit?
Wo in der Bilge saugt die Pumpe an?
Rettungsinsel: Letzte Wartung? Reißleine MUSS
belegt sein
Rettungskragen: Müssen lose in der Halterung
hängen. Mindestens einer muß ein Rettungslicht
haben: Umdrehen - dann muß es brennen.
Heckanker prüfen. Meist ist der nirgendwo belegt.
Außenborder an der Reling möglichst NICHT
testen oder aber nur mal eben anspringen lassen: Der
Impeller braucht das Wasser zur Kühlung. Schon
30 Sekunden Trockenlauf lassen ihn verbruzzeln.
Wie ist das Mischungsverhältnis für den
Outborder? Aufschreiben!
Beiboot aufblasen. Paddel an Bord? Pumpe an Bord?
Flickzeug an Bord?
Flautenschieber, Teil I
Motor starten. Tönt die Tröte für
Öldruck und/oder Regler? Achtung: Unten sollte
jemand das auf die Starterbatterie geschaltete Voltmeter
beobachten - das sollte beim Starten nicht merklich
(so unter zehn Volt) absinken, sonst sind die Batterien
platt. Die Spannung muß danach sofort wieder
auf zwölf Volt oder mehr steigen.
Kühlwasser-Ausfluß okay? Farbe des Auspuffqualms?
Gang einlegen - vorwärts / rückwärts.
Nach dem Radeffekt fragen und vor dem Auslaufen im
Hafen testen. Genau die Motorbedienung erklären
lassen.
Maximale Umdrehungszahl? Aufschreiben!
Tankinhalt und Treibstoffverbrauch pro Stunde bei
Marschfahrt. Aufschreiben!
Was will uns dieser Zeiger sagen?
Die Einstellung der Instrumente erklären lassen:
Was zeigt das Echolot an - ab Unterkante Kiel (so
sollte es sein) oder die tatsächliche Wassertiefe
oder etwa ab Einbautiefe Geber? Nicht dem Einweiser
vertrauen, sondern (hinterher) mit Lotleine checken!
Wie stellt man den Ankeralarm ein?
Unter Deck - von vorn nach achtern
Unten vorm Mast
Wie später überall, die Polster hochheben,
den Rumpf von innen prüfen. Vorm Mast sind meist
die Geber für Logge und Echolot eingebaut. Liegt
ein Ersatzstopfen daneben, damit man eine ev. blockierte
Logge ausbauen kann? Der Echolot-Geber ist meist verklebt.
Herrjeh, was alles kaputt gehen kann
- Hinweis von Manfred Handschuher:
,,Beim Loggegeber prüfe ich seit neustem auch immer
den Überwurfring (der ist immer aus Kunststoff),
nachdem ich auf einer Atlantiküberquerung mal gemerkt
habe, daß dieser Ring einen Sprung hat. Du kannst
Dir sicher gut vorstellen, wenn sich so ein Ring ganz
verabschiedet, der Geber daraufhin rausrutscht und ein
Loch von mehreren Zentimetern Durchmesser freigibt. Da
wundert man sich dann plötzlich, wo denn das viele
Wasser im Schiff herkommt :-(( "
Dank an Manfred Handschuher
Seine Homepage
(neue URL, 2004)
Mittschiffs sind Feinschmecker gefragt
Mittschiffs in der Bilge liegen meist die Rohre
für die Handlenzpumpe und die E-Bilge-Pumpe.
Testen, ob der automatische Geber (ein Schwimmer mit
Hebel und Kabel dran) die Pumpe schaltet. Geschmackstest
des Bilge-Wassers: Alles andere als salzig ist okay.
Bon appetit!
Die Toilettenspülung testen. Oben am Hebel
darf kein Wasser (igitt) austreten. Sind die Ventile
gängig? Ist ein Reparaturset an Bord?
Das Wassersystem erkunden: Wo sind die Tanks, wieviel
geht rein, kann man sie einzeln schalten (sehr empfehlenswert),
gibt es auch Handbetrieb (empfehlenswert, spart Wasser)?
Tip: Wasserpumpe IMMER nach dem Benutzen sofort abschalten.
Irgendwo ist immer was undicht, oder jemand hat einen
Hahn aufgelassen...
Fäkalientank an Bord? Für welches Klo?
Wie wird abgepumpt oder gesaugt?
Wer in der Pantry die Löffel zählt, hat
verloren. Der Einweiser lehnt sich entspannt zurück.
Seid ihr noch dicht?
Gaaaaaanz genau die Luken checken: Sehr beliebt
sind Tritte auf eine nicht vollständig geschlossene
Luke - dann bricht die untere Kunststoff-Lasche ab
und s'wird nimmer dicht. Im Zweifel mal 'nen Eimer
Wasser drüber kippen.
Oder unter einem Vorwand die darunterliegende Koje
tauschen...
Für den Elektrogast
Schaltpaneel erklären lassen: Anzeigen Wasser,
Batterie, Lichterführung, Treibstoff etc.
Genau nachfragen: Welches ist die Starter-Batterie,
welches die Service-Batterie? Aufschreiben!
Wie werden BEIDE Batterien geladen? Automatisch,
oder muß der große schwarze Batterie-/Hauptstromschalter
in einer bestimmten Stellung stehen?
Wo ist der Hauptschalter?
Die Batterien prüfen: Wie alt? Anschlüsse
schön fest und sauber? Säurestand okay?
Blick auf die Platten: Platten hell/dunkel: geladen - das ist okay! Alle gleich: leer. Alle hellgrau: sulfatiert (oh, oh!). Ausgefressen, bröselig: altersschwach.
Und nochmal: Welches ist die Starterbatterie?
Vom Umgang mit dem Voltmeter
Das sind die richtigen Werte: Ladespannung: 13,8 bis 14,1 Volt (über
14,4 Volt: Regler defekt, Knallgas tritt aus!). Ruhespannung (Batterie voll): 12,7. Batterie leer: 11,6 Volt - laden!
Wenn die Spannungsanzeige der Batterien bei Belastung
(mal alles einschalten, was Strom frißt - Kühlschrank!)
merklich absinkt und nicht SOFORT wieder auf 12,7
Volt ansteigt: Vorsicht!!! Bei alten Akkus nicht vertrösten
lassen von wegen: "Die müssen mal aufgeladen
werden..."
Jede Zelle hat etwas über zwei Volt. Wenn das
Voltmeter bei Last plötzlich in die Kniee geht
und bei einer bestimmten Voltzahl wie festgenagelt
stehenbleibt, dann sind Zellen im Eimer!
Niemals unter 10,5 Volt entladen. Schädigung
der Batterie!
Tip: Oft sind jeweils zwei Batterien
parallel geschaltet: Wenn's hier zu einem Spannungsabfall
kommt, ist meist nur eine Batterie defekt, die aber die
andere ständig entleert - also abklemmen!
Skippers Altar
Alle Karten für die geplante Route müssen
an Bord sein. Übersegler für die Törnplanung?
Alle Schiffspapiere an Bord? Gleich Rufzeichen und
Schiffsnamen rausschreiben. Wie werden Funkgespäche
abgerechnet (accounting authority identification code)?
Oder isser gar nich angemeldet?????
Rufnummern des Vercharterers für den Notfall
geben lassen.
Werkzeug: Kurslineale/Plotter, Dreiecke, Zirkel,
Bleistift, Ratzefummel, Anspitzer, Leuchtlupe, Handpeilkompaß.
(Obwohl wir das natürlich alles dabeihaben, trotzdem
auf Vollständigkeit überprüfen, sonst
muß ein angeblicher Verlust am Ende bezahlt werden)
Flaggen -mindestens: Nationalflagge, Zollflagge
Q (gelb) und/oder Hilfsstander 3 (für Deutschland),
Gastlandflaggen, Notflaggen N und C, Taucherflagge
A.
Radio, Navtex, Radar (Vorausrichtung richtig eingestellt?),
Echolot etc. checken. UKW mit Nachbarn oder besser
mit Küstenfunkstelle (Arbeitskanal, nicht auf
16) oder Handfunke (15 oder 17, Funkverkehr an Bord)
testen.
Auch das GPS muß eingestellt werden:
GPS-Empfänger müssen auf das jeweilige "Kartenbezugssystem"
(englisch: Datum) eingestellt werden. Es gibt über
zwölf Systeme!
Je nach GDP-Einstellung kann die Position auf der
Karte über eine Seemeile von der wahren Postion
abweichen!
Europäische Karten sind meist auf das WGS 84
bezogen. Meist ist das auf den Karten vermerkt. Unbedingt
nachschauen und am GPS einstellen!
Selbst wenn's richtig eingestellt ist - kann es Abweichungen
zur Karte geben: Diese Korrekturdaten sind ebenfalls
auf der Karte angegeben und müssen beim Übertrag
auf die Seekarte berücksichtigt werden.
Entscheiden: Soll das GPS True North (Rechtweisend
Nord) oder Magnetic North (Missweisend Nord) anzeigen?
Tipp: Da kein Fluxgate-Kompass eingebaut ist, dürfte
das GPS bei "Magnetic North" auf irgendwelche uns nicht
näher bekannte Standardwerte zurückgreifen.
Das muss ungenau sein. Ich würde auf "True North"
schalten, dann sieht man auch im Vergleich zum Magnetkompass
sofort die örtliche Missweisung.
Auf Charterdampfern kann man sicher
sein, daß irgendein Narr am GPS herumgespielt
hat...
Signalhorn
Seenotsignale: Fallschirmraketen, Fackeln, Rauchdose
(Der Qualm ist zwar völliger Blödsinn,
aber dennoch danach fragen...)
Uhr und Barometer (das stimmt nie!) einstellen
Zur Sicherheit
Anzahl der Lifelines, der Lifebelts und der
Schwimmwesten.
Wo ist der Wantenschneider? Wenn nicht an Bord,
auch im Logbuch vermerken!
Bootsmannsstuhl?
Sani-Kasten
Wo sind die Feuerlöscher?
Wo sind die Seeventile? Alle zeigen lassen.
Hebel gängig? (Auf See und beim Landgang
bis auf Motorventile immer dichtmachen )
Alle Gasabsperrventile zeigen lassen. Immer
SOFORT nach dem Kochen unten UND OBEN absperren.
Gibt es einen Gasalarm? Der Umgang mit der Gasanlage
gehört auch zur
Motor in Augenschein nehmen. Öl in der
Bilge? Alles genau erklären lassen: Seeventile
für die Kühlung, Filter für Kühlwasser
(Filter-Deckel muß immer schön fest
sitzen, sonst zieht das System nur Luft, aber
kein Wasser: Wenn kein Kühlwasser hinten
rauskommt, also zuerst am Filter nachschauen!),
Kraftstoffilter und Wasserabscheider, der Impeller
(Ersatz muß an Bord sein).
Ist Handstart möglich? Wenn ja: Wo ist
die Kurbel? Wo sind die Dekompressionshebel?
(Tip: Wenn er nicht starten will, weil die Batterie
leer ist oder der Starter marode ist: Sofern vorhanden,
den Dekompressionshebel umlegen, den Motor auf
Touren kommen lassen und schnell den Hebel umlegen.)
Falls nach Leerfahren des Tanks (beim Diesel)
mal entlüftet werden muß: Wo ist der
Handhebel für die Kraftstoffpumpe, wo sind
die Entlüftungsschrauben? (Die wichtigste
Entlüftungsschraube sitzt am Feinfilter.
Hier wird zuerst entlüftet. Dann an der Pumpe.
Und sonst noch?)
Keilriemenspannung prüfen: maximal eine
Daumenbreite. Ersatz muß an Bord sein.
Ölstand
Getriebeölstand
Muß die Stopfbuchse vom Charterer regelmäßig
geschmiert werden?
Dieselgast lernt Maschinentelegraphie
Wo enden die Bowdenzüge für Gas, Getriebe
und Stopzug? Hier muß der Dieselgast im Notfall
anpacken, um per Anweisung von oben die Maschine
von Hand zu steuern. Bowdenzüge brechen (oft
am Hebel) übrigens nicht gerade selten und
immer im Hafen.
Bastelkiste für die "Gäste"
Das wichtigste Werkzeug sollte an Bord sein.
Ersatzteile: Glühbirnen, Impeller (!!!),
Keilriemen (!!!), Silikon-Dichtungsmittel, O-Ringe,
Schrauben, Schäkel, Takelzeug, Sprühöl,
Tape, Sicherungen, Tube Gelcoat mit Schleifpapier,
Reparatursatz fürs Klo und fürs Dinghi
und, und, und
...uff, geschafft! Und jetzt die Schecks
rausrücken. Auf (Nimmer-)Wiedersehen....