Farbbericht über sailpress.de bei Com!online,
Ausgabe 5/2001

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Eine Seefahrt, die ist lustig. Vorausgesetzt, der Skipper beherrscht sein Fach. TIPPS FÜR FREIZEITKAPITÄNE und Mitsegler gibt Joachim Preuß auf seiner Homepage www.sailpress.de

Ein paar Mal am Wochenende, 14 Tage Urlaub - so sieht die Jahresbilanz für viele Segelfreunde aus. Zu selten sind sie in ihrem Element, bedauern die meisten. Die eigene Sportjolle kann sich mancher vielleicht noch leisten. Aber für eine eigene Jacht mit Schlafkojen und Kombüse haben nur wenige Leute das nötige Kleingeld übrig. Darum schließen sich Landratten, die mal auf hoher See durchs Wasser ziehen wollen, mit Freunden und Kollegen zusammen und chartern für ein oder zwei Wochen ein Schiff. Gebucht wird meist weit entfernt vom sonnigen Ausgangshafen. Die Crew reist in Urlaubslaune per Flugzeug an und fährt mit dem Taxi am Hafen vor. Da ist für Überraschungen immer wieder gesorgt. Vor allem Neulinge können oft nur staunen, was es beim Chartern alles zu beachten gibt.
Rund 15 Jahre Erfahrung in solchen Dingen hat Joachim Preuß (44) gesammelt. Seit einigen Jahren tummelt er sich im Internet, unter anderem in den Newsgroups zum Thema Segeln: „Da kamen immer wieder dieselben Anfrage zum Thema Chartern eines Segelbootes. Die Neulinge wollten wissen: Wie mach ich’s richtig?“ Immer wieder gab er dieselben Ratschläge, bis er 1997 begann, sein Tipps auf seiner Homepage www.sailpress.de zu versammeln. Neben „sail“ auch „press“, weil er auch seinen Job als Journalist bei der „Rheinischen Post“ einbringt. Er will den fortgeschrittenen Skipper ansprechen, der im Urlaub eine Jacht chartert und damit auf hohe Fahrt geht. Dann kann er praktische Anleitungen gebrauchen, angefangen bei der Ausrüstung über die Funknavigation bis hin zum richtigen Verhalten im Seenotfall. Einfach nützlich ist zum Beispiel die Checkliste, die aufführt, was auf jeden Fall im Törngepäck dabei sein sollte: das eigene Navigationsdreieck und eine Seekarte des Reviers, das Fernglas oder eine kleine Gewürzsammlung für die Kombüse.
Das Thema Sicherheit wird bei Preuß groß geschrieben. Die Anleitungen zu ,,Mann über Bord“, Seenot und erster Hilfe sollte jeder Mitsegler vor der Abfahrt einmal durchgelesen haben. Beispiel: Aus dem Wasser gerettete, unterkühlte Menschen (unter 34 Grad Körpertemperatur, da zittert keiner mehr) dürfen nicht von außen aufgewärmt werden! Oder wer weiß schon, wie eine Rettung vom Schiff per Hubschrauber abläuft? Als Freizeitskipper hat der Ratinger Journalist mittlerweile alle brauchbaren Scheine gesammelt: Vom A-Schein bis zum UKW-Sprechfunkzeugnis. Außerdem hat er diverse Sicherheits- und Überlebenstrainings absolviert. Denn er hat auf Hochsee-Segeljachten schon einiges erlebt. Sein Schlüsselerlebnis vor vielen Jahren: die Begegnung mit einer Sandbank vor einem holländischen Hafen. ,,In der aufgewühlten See haben wir eine Tonne verpasst. Anstatt links sind wir rechts dran vorbeigefahren. Da war eine Sandbank, und wir hingen drauf und kamen nicht mehr runter. Ein Seenotrettungskreuzer musste uns zu Hilfe kommen.“ Seither bemüht er sich noch mehr um Sicherheit auf See. „Gerade Anfänger machen viele Fehler. Meistens geht es gut aus, aber manchmal geht's in die Hose. Ich will anderen Leuten böse Erfahrungen ersparen.“
Einige Segelreviere hat Preuß schon mit Hochseejachten befahren: darunter auch die Karibik, wo er schon zweimal war, als Teilnehmer der legendären Regatta ,,Antigua Sailing Week" vor fünf Jahren. „Aber ein richtiger Törn ist viel interessanter. Die Inseln angucken, bloß nicht jeden Abend im selben Hafen liegen!“, meint er.
Weil er als Skipper für alles verantwortlich ist, versucht er auf seinen Törns alle Sicherheitsmaßnahmen in die Praxis umzusetzen. ,,Vor dem Start gibt's eine Sicherheitseinweisung. Da erzähle ich, was alles passieren kann. Dann werden alle nachdenklich, aber das ist nur gut. Dann einigt man sich auf eine gemeinsame Sprache, was notfalls zu tun ist. Und dann geht's los.“
Mitsegler für Privattörns sucht Preuß ebenfalls unter www.sailpress.de. ,,Ich wundere mich über so viel Resonanz", sagt er. Leider könen viel zu wenige mit. Aber bei den großen Törns in der Karibik oder in der Ägäis seien immer wieder einige Plätze frei. ,,Allerdings müssen wir uns die Leute vorher angucken. Unsere Touren dauern meist über zwei Wochen. Da sollte einer schon mal auf einer Jacht gewesen sein.
Die Seiten seiner Homepage hat er mit einem einfachen HTML-Editor geschrieben: ein schnörkelloses Layout mit Tabellen. Das Ergebnis sind übersichtliche Textseiten, die schnell geladen sind, ,,ganz ohne gestalterische Mätzchen“. Das ist gewollt, denn viele Besucher wollen die Texte und Tabellen einfach Schwarz auf Weiß ausdrucken und das Material auf ihre Seereise mitnehmen. ,,Ich habe eine Menge E-Mails von Leuten, die zum ersten Mal chartern gehen und meine Infos als Grundlage benutzen", freut sich Preuß, dass seine Sicherheitstipps so großen Anklang finden. Denn bei allem Segelspaß zählt vor allem eines:
See you later, navigator...

Von Andreas Ilg
freizeit@com-online.de



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