- Wer keine Sicherheitseinweisung macht, handelt grob fahrlässig.
(siehe auch Empfehlung der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung
(BSU) speziell zum Thema MOB)
- Im Notfall muß jeder wissen, was er zu tun hat.
- Es beruhigt die Crew ungemein, wenn sie merkt, daß der
Skipper sich schon Gedanken für Notfälle gemacht hat.
- Ist vorher nichts abgesprochen worden, herrscht sofort die
nackte Panik, wenn irgendwas schiefgeht. Und einer wartet immer
darauf, den Besserwisser spielen zu können - und dann wird
diskutiert...
- Also muss eine Seenotrolle her: Das ist eine Liste
mit Namen und den jeweiligen Aufgaben für den Notfall (Navigation/GPS/MOB-Taste,
Verantwortung für Notbeutel, Leckage-Kontrolle, Rettungsinsel,
Pyro-Signalgast, Funker, Motorgast usw.)
- Für die Leckage-Kontrolle jeden einteilen: Jeder soll
sich seine Kabine genau ansehen, Polster und Bretter hochheben,
damit er sich im Falle von Wassereinbruch sofort zurechtfindet.
Skip oder Co übernehmen z.B. Motorrraum (Stopfbuchse, Ein-
und Auslassventile), Ruderanlage (Koker) und Salon.
- Die Sicherheitseinweisung sollte ebenso wie die Seenotrolle
im
Logbuch
vermerkt werden.
- Da steht auch für alle nachlesbar drin, wer der ZWEITE
MANN an Bord ist. Der muß bestimmt werden. Falls der Skipper
über Bord, ins Glas oder sonstwie aus der Rolle gefallen
ist.
Verhalten an Deck
- In der Plicht ist es am sichersten. Niemals freihändig
stehen. Devise: Eine Hand für den Mann, eine fürs
Schiff.
- Wo kann man sich festhalten? Niemals an der Seereling!
- Vorsicht vorm Baum! Niemals irgendein Körperteil in den
Schwingbereich des Baumes halten. Egal bei welchem Kurs! An
dieser Stelle keine Diskussion aufkommen lassen. Wir sind alle
nur blutige Laiensegler, die auf See eigentlich nix verloren
haben. Fehler sind so schnell gemacht.
- Bei Seegang nur auf alle Vieren nach vorne.
- Kostümball: Jeder bekommt sein eigenes Lifebelt mit Line
(oder Rettungsweste), übt das Anlegen und stellt sie möglichst
eng ein. Jeder ist dafür selbst verantwortlich und deponiert
sie dort, wo er sie schnell findet.
- Auf Tour: In der Plicht und an Deck alle möglichen Einpickpunkte
zeigen.
- Das "Relingsklo" ist tabu. Wenn's unten zu ungemütlich
wird, kann man zur Pinkelpause doch mal kurz beidrehen.
Das muß jeder wissen
- Die Rettungsmittel erklären.
- Wie funktioniert die Rettungsinsel?
- Wie liest man eine Position vom GPS ab?
- Wo ist die MOB-Taste? Wie liest man den Kurs zurück ab?
Vorbereitung für Mann über Bord
- Eine sauber aufgeschossene Schwimmleine an immer derselben
Stelle deponieren, um sie einem Mann im Wasser zuwerfen zu können.
- An einem unbenutzten Fall eine Lifeline anschlagen, so daß
man achtern einen Mann damit einpicken kann. Notfalls Fall mit
Leine verlängern. Fall mit einem roten Band oder so kennzeichnen,
um es wiederzufinden.
- Die Badeleiter wird niemals festgeschraubt: Sie bekommt ein
Bändsel mit einer Schlaufe, damit sich ein Mann im Wasser
das Ding selbst runterklappen kann. (Ist auch im Hafen ganz
sinnvoll. Hab' ich schon mehrfach ausprobiert.)
- Rettungskragen mit Licht und sauber aufgeschossenen Leinen
LOSE in die Halterung hängen.
Das einfache Mann-über-Bord-Manöver
Mann über Bord!
(siehe auch Empfehlung der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung
(BSU) speziell zum Thema MOB)
- Eindringlich klarmachen, daß man nur mit eisenharter
Disziplin und Ruhe an Bord einen Mann wiederfindet. Ob man den
auch wieder reinbekommt, ist dann ein Thema für sich.
- Wenn's denn passiert ist: Nicht hinterherspringen! Sondern:
Lauter Ruf "Mann über Bord". Niemals zum Scherz!!!!!
- Jetzt herrscht absolute Ruhe an Bord: Kein Gequatsche, keine
"Kommandos" außer vom Skipper.
Was man nicht sieht, kann man nicht retten
- Bis auf den Rudergänger behält JEDER den Mann im
Auge und zeigt mit der ausgestreckten Hand drauf. Nicht verlieren!
Nicht weggucken, nicht ablenken lassen. Was man nicht sieht,
kann man nicht retten. Wer was anderes machen soll, wird vom
Skipper namentlich angesprochen, um die Ausguckleute nicht abzulenken.
- Der Rudergänger, der jetzt der Skipper sein sollte, legt
sofort hart Ruder (am besten eine Wende, um keine Höhe
zu verlieren) und hält auf den MOB zu. Jetzt die Maschine
starten.
- Die Fock kommt back, das Schiff fährt langsam, ganz langsam
beigedreht auf den MOB zu. So langsam, daß der mordsgefährliche
"Aufschießer", den uns (DSV-)Segellehrer früher
eingebleut haben, überflüssig ist. Das mit dem beigedreht
zurückfahren, ist mittlerweile (so ähnlich) auch als
"Münchener Manöver" bekannt geworden.
Die Richtung stimmt: SPÄTESTENS JETZT DIE MASCHINE STARTEN!
- Schwimmleine und Bootshaken klarmachen und versuchen, den
MOB zu angeln. Nach achtern ziehen.
- Wenn MOB bereits zu schwach ist: Fall einpicken und über
die Badeleiter hochhieven, notfalls nach mittschiffs schwenken
und dort hochziehen. Viel Erfolg!
Und wie man ihn "verarztet", wenn (!) man ihn wieder an Bord
hat, oder was
macht, wenn er außer Sicht geraten ist, kann man hier lesen:
MOB - Theorie und Praxis
Alles nur graue Theorie
- Inwieweit man bei der Sicherheitseinweisung auf die Einzelheiten
des MOB-Manövers eingeht, hängt auch von den Vorkenntnissen
der Crew ab. Nicht diskutieren! Eines muß klar sein: Es
wird DAS Manöver gefahren , das der Skipper für richtig
hält. Nur er hat das Ergebnis schließlich zu verantworten.
Vergeßt das Schulbuch!
- Rum, rum, sofort rum und zurück! Nicht vom Unglücksort
entfernen! Mit einer Yacht mit dichtgeholten Schoten kann man
auch bei Wind fahren wie mit einem Trecker. Probiert's doch
mal aus!
Überleben im Wasser
Und was macht der Mann im Wasser?
Nichts. Er macht nichts. Er schreit oder pfeift höchstens,
damit man ihn wiederfindet. Bei einsetzender Dämmerung Rettungsblitz
oder Seewasserbatterie fürs Notlicht aktivieren.
Ansonsten gilt: Keine unnötige Anstrengung, um keine Energie
zu verlieren.
Um Himmels willen keine Klamotten ausziehen:
Die wiegen im Wasser doch nichts. Und sie wärmen durch Isolierung.
Am Anfang gibt's durch eingeschlossene Luft sogar noch Auftrieb.
Die Bündchen sofort fest verschließen. Kapuze über
den Kopf. Spraykappe über die Rettungsweste ziehen, damit
sich in der Lunge nicht allmählich fliegendes Wasser ansammelt.
Jetzt geht es um jede Minute im Kampf gegen die Unterkühlung.
Beim Titanic-Untergang sind die meisten Menschen nicht ertrunken,
sondern den Kältetod gestorben.
Ins Logbuch kommt die Seenotrolle
Kein Theater: Die Seenotrolle
- In der Seenotrolle, die neben der Sicherheitseinweisung ins
Logbuch gehört, wird festgelegt, wer was im Notfall macht.
Wer ganz pingelig ist, kann eine Durchschrift machen und in
die Klos hängen...
- Wer übernimmt das Feuerwerk? Genaue Einweisung!
- Wer Navigation beherrscht, macht sich vertraut mit GPS und
anderen Navi-Geräten. Er übernimmt im Notfall die
Standortbestimmung.
- Die MOB-Taste muß jeder drücken können.
- Jeder sollte ins Funkgerät eingewiesen werden. Bei unseren
Törns hängen fix und fertig englisch ausgefüllte
(!) Vordrucke für Not- und für
Dringlichkeitsverkehr (MOB) immer neben der Funkanlage. Patentinhaber
kommen natürlich zuerst in die Seenotrolle. TIP: Für
NOTVERKEHR gibt es "amtliche" Vordrucke. Kann man
aus Funklehrbüchern kopieren. Ich habe mir ähnliche,
aber einfachere speziell für UKW am PC gebastelt. So ausfüllen,
daß man nur ablesen muß.
- Wer macht die Rettungsinsel
klar? Schon mal üben lassen. Mindestens drei Leute einteilen.
- Wer kümmert sich um den roten Notbeutel,
in dem vor dem Auslaufen unter anderem alle Papiere,
Geld, Schlüssel sowie UKW-Handfunke, Hand-GPS, Nebelhorn,
Seenot-Signalspiegel
und Feuerwerk
gesammelt wurden? Da müssen dann nur noch Logbuch und Seekarte
rein. Der Beutelmann hat nur die Aufgabe, den Beutel in die
Rettungsinsel zu befördern.
Verhalten unter Deck
- Die Klos erklären. Auf See und beim Landgang die
Seeventile geschlossen halten.
- Umgang mit der Gasanlage. Nur zum Kochen die Ventile aufdrehen.
Danach SOFORT wieder die Hauptleitung am Herd und oben
an der Gasflasche absperren. Bevor es in die Koje oder
auf See geht, immer kontrollieren. Das muß spätestens
am zweiten Tag "sitzen".
- Die Feuerlöscher zeigen und erklären.
- Das richtige Schließen der Luken erklären.
- Den Kühlschrank erklären und die gekonnte, semännisch
korrekte Herausnahme von in grünen Dosen gehaltener,
schäumender Flüssigkeit demonstrieren. Das Zeugs
als wertvollen "Grünen Tee" anpreisen. Und
Prost!
Nicht zum Abschrecken, sondern eher eine Motivationshilfe:
sailpress.de-Service: Die neuesten
Seenotfälle weltweit
Gemma hoam
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